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Mein erstes Auto – 2CV6

Mein erstes Auto – Eine Charleston-Ente 2CV6 in schwarz/bordeaux

2/02 2011

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Mein erstes Auto war ein Citroen 2CV6. Wem diese Bezeichnung nicht allzu viel sagt: mein erstes Auto war eine Ente. Und zwar in grün. Mit einem ziemlich albernen „Sausss-Ente“ Aufkleber (“von 0 auf 100 in 59,4 sec”) auf beiden Seiten. Eine schicke Charleston-Ente, zweifarbig lackiert in schwarz/bordeaux oder hellgrau/dunkelgrau wäre mir zwar wesentlich lieber gewesen, aber wie das so ist, wenn die Eltern als Hauptfinanciers auftreten, muss man manchmal Kompromisse eingehen. Immerhin bekam ich wenige Tage nach Bestehen der Führerscheinprüfung ein nagelneues Auto. Aussen, wie gesagt, grasgrün, innen braune Stoffsitze. Und sie hatte sogar Kopfstützen vorne, wie der Kaufvertrag unter dem Punkt „Sonderausstattung“ aufführt. Ansonsten war sie eher spartanisch ausgestattet. Gummimatten auf blankem Blech, nur ein Aussenspiegel und wenn ich mich recht erinnere, auch kein Rückfahrscheinwerfer. Kein Handschuhfach, kein Radio. Und auch sonst kein überflüssiger Schnickschnack, wie Servolenkung, Klimaanlage, Schminkspiegel oder Zigarettenanzünder. Dafür musste man beim Anlassen den „Choke“ ziehen, damit die Ente im kalten Zustand nicht gleich wieder ausging. Im Prinzip also eine Blechkiste auf vier Rädern mit einem manuell aufrollbaren Faltdach.

Wohlwollend könnte man auch sagen, ein viertüriges Cabrio mit geräumigem Kofferraum. Die 29 PS ergaben eine Spitzengeschwindigkeit von 103 km/h. Für den Stadtverkehr völlig ausreichend, wobei viele andere Verkehrsteilnehmer das nicht so gesehen und mir häufiger mal die Vorfahrt genommen haben. Auf der Autobahn musste man sich jedoch gut überlegen, ob man den LKW-Ueberholvorgang noch vor der gewünschten Ausfahrt beenden könnte.
Mit meiner Ente verband mich von Anfang an eine Hass-Liebe. Die erste Fahrt vom Autohändler nach Hause war die Hölle. Als blutiger Anfänger, der auf einem Golf gelernt hatte, hatte ich keine Ahnung, wie ich mit der Stockschaltung umgehen musste. Mein Vater mit seinem Wagen vorneweg, Mutter und ich in der Ente hinterher. Bei jedem Anfahren ging die Ente aus, weil ich nie den ersten Gang getroffen habe, sondern immer im dritten landete, und damit konnte man beim besten Willen nicht anfahren. Meine Eltern zweifelten schon an der Rechtmässigkeit meiner Fahrerlaubnis, aber irgendwann hatte ich es doch raus. Und so bin ich dann mit der Ente vier Jahre lang durch die Gegend gefahren. Immer war sie zuverlässig, nur einmal hat sie mich im Stich gelassen. Da hat auch die Kurbel zum Anlassen nichts mehr genutzt und eine neue Batterie musste her.

Im Sommer bin ich gerne mit aufgerolltem Verdeck gefahren, im Winter mit voll aufgedrehter Heizung, dicker Jacke, Schal, Mütze und Handschuhen. Auch wenn es vielleicht nicht danach aussieht, die Ente war mein perfektes Winterauto. Mit schmaler Bereifung und Vorderradantrieb – und wohlgemerkt ohne Winterreifen – konnte ich manchen im Schnee steckenden BMW, Mercedes oder LKW passieren. Dass bei Schneetreiben die Schneeflocken vom Wind in das Auto gedrückt wurden und lustig vor der Nase herumtanzten, konnte man dann gut verschmerzen. Auch eindringender Regen (durch den Motorraum auf die Füsse tropfend oder durch die originellen Klappfenster innen an der Tür herunterlaufend) machte mir nicht viel aus. Ich erinnere mich, dass ich unter den Gummimatten Zeitungen ausgelegt hatte, um die Feuchtigkeit aufzusaugen. Die musste man jedoch regelmässig austauschen, sonst roch es unangenehm. So manche hämische Bemerkung habe ich in der Zeit ertragen („Wann schaffen Sie sich denn endlich mal ein ‚richtiges‘ Auto an?“), als ich aber meine Ente an meine jüngere Schwester abgeben musste, war ich schon etwas traurig. Die hat übrigens festgestellt, dass die Ente durchaus schneller fährt, nämlich 115 km/h, was sie letztendlich mit dem Leben bezahlt hat. Nein, zum Glück nicht meine Schwester, sondern „nur“ meine Ente.

Was bleibt, ist die Erinnerung, leider kein Foto!

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