Bandsalat, Liebe und andere Katastrophen
Die 80er - Die Zeit der Pickel und pubertären Liebschaften.
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Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit zwischen Hanna Julian (Text und Vertonung) und KangarooMusiQue von mySCOUTcom (Musik)
Bandsalat, Liebe und andere Katastrophen
Es war die Zeit der Pickel und pubertären Liebschaften. Außerdem war es die Zeit, in der man Musik noch von großen schwarzen Schallplatten hörte. Nein, aus Schellack waren sie inzwischen nicht mehr, sondern aus Vinyl – aber dennoch scheint es heute so, als spräche ich von einem anderen Jahrtausend … was ja durchaus auch stimmt.
Den ersten festen Freund und die erste eigene Schallplatte eignete ich mir ungefähr zum selben Zeitpunkt an. Der Freund war schnell wieder vergessen, die Schallplatte hingegen besitze ich noch heute. Was sagt uns das? Im Zweifelsfall erinnert es uns einfach daran, dass Musik uns immer begleitet – treu, emotional und heute ja auch sehr viel praktischer auf kleinen tragbaren Geräten, die eher schon mal im Ohr verschollen gehen könnten, als das halbe Wohnzimmer einzunehmen.
Wer nun aufmerksam gelesen hat, wird sich fragen, in welchem Alter ich denn wohl meine erste Schallplatte erstanden habe – jetzt mal vom Freund ganz zu schweigen.
Nun, so genau weiß ich das auch nicht mehr, aber fest steht, dass ich bis dahin Kassetten bevorzugt hatte. Selbst aufgenommene natürlich.
Ich erinnere mich an das Wichteln in der Schule, wenn kurz vor Weihnachten mit hochrotem Kopf Päckchen ausgetauscht wurden.
Die Dialoge dazu liefen ungefähr so ab: „Oh, du hast mich gewichtelt?“ Und, wenn man das Papier verschämt vom Geschenk riss, „Wow! Leerkassetten! Super! Die kann ich gut brauchen.“
Und während man noch dümmlich strahlte, kam derjenige, den man selbst beschenkt hatte und rief schon von Weitem: „Ist ja toll! Du hast mir Leerkassetten geschenkt! Die brauche ich sowieso immer!“
Da half nur noch betretenes Schweigen – aber besser machte das die einfallslose Geschenkefarce auch nicht wirklich.
Anders war es natürlich bei den Verliebten. Die schenkten sich keine Leerkassetten, sondern sie hatten sich gegenseitig Lieder darauf aufgenommen. Da wir alle die gleiche Hitline im Radio hörten, waren die Geschenke dadurch zwar nicht wesentlich abwechslungsreicher, aber irgendwie hatte es zumindest einen romantischen Touch.
Ich hatte damals auch eine ganz große Liebe. Nein, nicht besagter erster Freund. Auch wenn ich das damals ganz sicher anders gesehen hätte. Aber wie gesagt, es sind die Dinge, die bleiben, denen ich heute immer noch einen Platz in meinem Herzen zugestehe. Und das war nun mal ein ganz besonderer Mann … nämlich mein Walkman. Jahrelang traf man mich praktisch nicht ohne ihn an.
Später hatte ich einen mit Autoreverse-Funktion – das Nonplusultra des Hightech! Wer lacht da? Die Zeiten waren halt anders. Damals hätte man CDs noch für Taschenspiegel gehalten.
Ein Tag konnte allerdings richtig dramatisch beginnen, wenn bereits auf dem Weg zur Schule die Lieblingskassette sich in Bandsalat verwandelte. Tränen, Verzweiflung, Panik.
Wie schön, dass uns das heute erspart bleibt! Dafür gibt es nun andere technische Katastrophen, die uns den Tag richtig fies vermiesen können. Jede Zeit hat eben ihre eigenen Supergaus.
Aber kommen wir mal zurück zu den schönen Zeiten, als die Musikwelt noch aus bekloppten Texten und eigentümlichen Bandnamen bestand. Die 80er, neue deutsche Welle, Markus’ „Ich will Spaß, ich geb Gas“, und UKWs„Ich bin ja so verschossen in deine Sommersprossen“.
(Ich hatte Sommersprossen – Gott, habe ich das Lied gehasst!) Unangefochten natürlich immer noch Trio mit ihrem wahnsinnig hintergründigen Nicht-Text: „Da, da, da, ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht.“
So mancher Künstler hat heute auch nicht mehr zu sagen, versucht es aber verzweifelt, und ist damit nicht mal annähernd so erfolgreich.
Ich war allerdings schon immer mehr der schwermütige Typ – also so musikalisch gesehen. Und daher hörte ich Spliffs „Deja vu“ und schwelgte in düsteren Depeche Mode Hits. Auch Falco hatte einen Platz in meinem Herzen – möge er in Frieden ruhen, der Hansi Hölzel.
Es gäbe noch so vieles zu erzählen aus jenen Jahren. Ich hätte sogar Lust dazu, aber mir fehlt die Zeit, denn irgendwie haben die Verpflichtungen ganz klammheimlich die Oberhand gewonnen. Auch das ist ein Merkmal, dass meine Jugend vorbei ist – irgendwo im letzten Jahrtausend ging sie verloren und noch hat sich kein Finder gemeldet.
Geblieben ist die Liebe. Geblieben ist die Musik. Geblieben sind Freundschaften. Und die Lust auf die Zukunft.
Das ist ziemlich viel, oder? Und dennoch … manchmal schwelge ich in alten Zeiten – ob sie wirklich besser waren? Wen interessiert das schon, wenn sie uns heute ein wirklich gutes Gefühl bescheren?
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8 Antworten
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Die 80er waren auch meine “Zeit” und das eine oder andere kann ich gut nachvollziehen. Danke auch für deinen Podcast, der mir sehr gut gefällt. Ich werde auch mal in meinen 80er Jahre Erinnerungen kramen und etwas dazu schreiben.
P.S. Der Maserati von Markus (Ich will Spass, ich geb Gas) war übrigens ein Citroen SM. Der hatte nämlich einen Maserati-Motor unter der Haube und Markus hat einen SM besessen.
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Wir müssen ein Alter sein, denn genau diese Musik habe ich auch geliebt. Nena fand ich auch toll und ich wollte unbedingt so sein wie sie. Cool, schön und wild – aus damaliger Sicht. Heute finde ich sie wesentlich cooler und schöner
Ich werde auch mal in meinen Erinnerungen schwelgen und eine Geschichte schreiben. Weiß auch schon eine…. bis gleich!
Danke für´s Erinnerungen teilen!
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Genau so war es!
Und Musik begleitet mich schon sehr lange durch das Leben. Darauf kann man sich nämlich verlassen. Es gibt für alles eine passende Musik!
Seit dem “Walkman” habe ich nie wieder ohne Musik unterwegs gelebt… und möchte das auch nie vermissen.
Dahingehen sind wir privilegiert!
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Ich habe leider diesen Walkman nie besessen. Den gab es zu meiner Zeit noch nicht oder ich lebte auf der falschen Seite.
Aber ich kenne ihn von später, als mein Kind seine Vorliebe für Märchenkassetten entdeckte. Ein tolles Ding, das immer bei einem war… und der Bleistift war ein Muss, um die Spannung mal wieder richtig hinzudrehen.
Heute habe ich auch einen… ohne Bandsalat. Und ich kann ihn immer noch Walkman nennen, meinen MP3-Player.
Eine schöne Idee für eine Geschichte. Und es ist erstaunlich, dass unser Jahrtausend auch schon wieder 10 oder meinetwegen nur 9 Jahre alt ist.
Ganz lieben Dank für das Hörvergnügen.
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Oh, wie gut ich das kenne. Mit dem Ding am Gürtel war man Meister Matz, uund der Bandsalat, ständig Batterien in den Hosentaschen.
Ja, der Markus … woher hat der Kerl gewusst, das Benzin einmal so teuer werden wird?
Wenn ich den Text höre, ihn lese, die tolle Musik dazu, dann werden Erinnerungen an meine Jugend wach. Es sind schöne Erinnerungen, zumindest zum größten Teil, und ich denke, selbst bei all den Beschwerlichkeiten, welche die Pubertät mit sich gebracht hat, ich würde durchaus noch einmal in die Zeit zurückkehren wollen …
Vielen Dank für die wunderbaren Erinnerungen, vielen Dank für diesen wunderbaren Text.
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Hach ja, die gute alte Schallplatten und Kassettenzeit.
Ich erinnere mich noch genau, wie sauer ich immer war, wenn die Radiomoderatoren am Ende eines Liedes, das ich aufnehmen wollte, reinquatschten, oder die Kassette genau dann zuende war, wenn genau DAS begehrte Lied gerade aufgenommen wurde. *g* Da war es schon verdammt fortschrittlich, als man endlich eine “Anlage” hatte und die Lieder von Schallplatte auf Kassette überspielen konnte. Und die speziellen Zusammenstellungen von meiner damaligen großen Liebe, waren natürlich das Größte, zumal der über längere Zeit fern von mir in der blöden BW-Kaserne festsaß. *seufz* 
Danke für diese schöne Geschichte und ebenso schöne musikalische Untermalung.
Lieben Gruß, Chrissi
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Hat mir viel Spaß gemacht, zu dem Text die Hintergrundmusik zu machen. Schöne Sache!
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Was für eine tolle Aufnahme!
Schallplatten kannte ich als Kind nur noch von meiner Großmutter, wenn sie uns Kindern zur Erheiterung alte Schlager aus ihrer Jugend vorspielte und von meiner Mutter, die mir als ich zwölf war und die Beatles für mich entdeckt hatte, stolz ihre eigene “Let it be”-Single aus Vinyl präsentierte.
Meinen ersten Walkman habe ich als Kindergartenkind bekommen – und heiß geliebt! Einige Jahre später kam dann der Discman, inzwischen heißt die Musiksoftware meines Handys wieder Walkman.
Richtig schön, mit dieser sympathischen Stimme und der passenden Musik in die Vergangenheit eintauchen zu können!
Vielen Dank für das Hör- und Lesevergnügen!
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