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Alles halb so wild … oder warum man auch mal ein Sixpack lieb haben kann

Mein schlechte-Laune-Päckchen-des-Tages löste sich in Nichts auf

Geschrieben von HannaJulian (Profil | Alle Beiträge) in Allgemein
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25/11 2010

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Alles halb so wild … oder warum man auch mal ein Sixpack lieb haben kann

Kennt ihr das auch, wenn all die Katastrophen geballt über euch hereinbrechen? Es gibt ja so Tage, die sind dafür scheinbar vorprogrammiert. Da passt dann wirklich alles! Allerdings nicht im positiven Sinne.
Ich habe gelernt, mir einen Spaß daraus zu machen und gedanklich all das Unglück zu einem hübschen Päckchen zu schnüren, um es dann – ebenfalls gedanklich – die Toilette runterzuspülen. Natürlich erst, nachdem ich es nicht mehr brauche … also so ziemlich am Ende des besagten Tages.
Die Taktik ist nicht schlecht. Nur hat sie einen Haken. Wenn nämlich unerwartet doch etwas Nettes passiert, kommt man ganz schön aus dem Konzept.
Dabei muss es nicht einmal etwas Großes oder Weltbewegendes sein, was einen aus diesem mann-geht-es-mir-heute-schlecht Tief herausholt.
Es sind die kleinen Dinge, die einen erkennen lassen: Eigentlich ist alles halb so wild.
So geschah es mir an einem dieser Tage, dass ich einkaufen gehen musste – Lebensmittel und die Dinge fürs tägliche Leben. Nicht unbedingt das, was die Laune hebt. Müßig, darüber zu berichten, welche Art von Shopping dafür eher geeignet gewesen wäre. Aber wer braucht schon neue Kleider, Parfüm, Schmuck oder tolle technische Geräte, wenn Aufschnitt, Katzenfutter und Toilettenpapier auf dem Programm stehen?
Naja, so als erwachsener Mensch kann man dann doch schon mal die Spirituosenabteilung aufsuchen und nachschauen, ob man sich für den Abend noch etwas gönnen möchte.
Da der besagte Tag mitten in den Hochsommer fiel, liebäugelte ich mit einer neuen geschmacklichen Variation einer Biersorte, deren Namen ich hier nicht nennen will – obwohl das Zeug echt gut schmeckt, aber das tut mal so gar nichts zur Sache.
Also ein Sixpack mit in den Einkaufswagen. Nein, die sollten nicht alle für mich sein, und auch nicht alle für den gleichen Abend.
Aber kommen wir mal wieder zum Kern – vor allem, bevor ich beim Wort Sixpack noch weitere Assoziationen zum Besten gebe.
Nun, jedenfalls ging ich mit all diesen Dingen zur Kasse, packte artig alles aufs Band und harrte der Summe, die ich dafür zu zahlen hätte.
Ich war schlecht drauf, erwähnte ich das schon?
Eben einer jener Tage. Da reißt man sich so schnell selbst nicht raus. Und die Kassiererin steigerte meine Laune nicht, denn sie war langsam. Nicht, dass ich gemeckert hätte … das nun doch nicht, aber ich beäugte kritisch, wie sie all meine Artikel ziemlich bedächtig über den Scanner zog.
Okay, sie war neu im Laden, nicht mehr ganz jung, aber sehr konzentriert bei der Sache.
Salami, Milch, Katzenfutter Wellness-Fleisch mit Aloe Vera (ja, sowas gibt es – im Supermarkt) landeten nach und nach in meinem Einkaufswagen.
Und dann kam es, wie es wohl kommen musste. Der Sixpack rappelte auf den Scanner, die Kassiererin scannte, aber das Ding hatte keine Lust zu piepsen. Ihr kennt dieses Piepsen … das, bei dem man sich fragt, ob man es – im Falle, man ist Kassiererin – je wieder aus dem Kopf bekommt. Der Supermarkt-Ohrwurm.
Sie scannte noch mal … und noch mal … und aller guten Dinge sind vier. Aber nichts tat sich.
Ich beobachtete die Szene stumm, versucht, ein Piepsen zu imitieren, aber ich konnte mich beherrschen. Sie legte ihren Arm um den Sixpack und zog ihre Listen zu rate, die neben der Kasse hingen. Blätterte, blätterte, und schließlich nahm sie den Sixpack, stellte diesen auf ihren Schoß, umarmte ihn und blätterte weiter.
Das war der Moment, in dem ich mich etwas betreten fühlte. Plötzlich strahlte sie, tippte etwas in die Kasse und sah mich ziemlich glücklich an. Der Sixpack blieb wo er war.
Ich lächelte. Unweigerlich. Und ehe ich mich versah, sprach ich aus, was ich dachte. „Man merkt, dass Sie sich nur schwer davon trennen können. Darf ich ihn trotzdem mitnehmen?“
Ihr Blick richtete sich auf ihren Schoß, in dem sie noch immer den Sixpack liebevoll umklammert hielt. Dann lachte sie – aus tiefstem Herzen.
Und das tat gut – ihr … mir … jedem, der es mitbekam.
Es war nur ein Lachen nötig, und mein schlechte-Laune-Päckchen-des-Tages löste sich in Nichts auf.
Warum?
Nun, mit Sicherheit nicht, weil ich das Bier zum Schluss doch noch mitnehmen durfte.
Natürlich kann einem sowas nicht den Tag retten, wenn es einem wirklich schlecht geht. Aber für diese diffusen Tage des allgemeinen Unwohlseins kann man sich immer eine bedächtige Kassiererin mit emotionaler Bindung zu einem Sixpack wünschen … oder eben etwas Ähnliches, das einem zeigt: Alles ist nur halb so wild.

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