Wo zum Teufel liegt Tudeley? Und was sollen wir dort?
Osterurlaub 2010 in der Grafschaft Kent/England! Ostersonntag! Heute hat aber auch wirklich alles geschlossen, sogar diverse Schlösser der Umgebung! Ich hatte vorgeschlagen in die nahegelegene ehemalige Kurstadt “Royal Tunbridge Wells” zu fahren. Beschreibung in den Reiseführern (ich hab ja gleich immer mehrere mit-bloß nix verpassen) hörte sich ganz nett an. Es war warm, trocken und bewölkt. Als wir in RTW angekommen waren, stellten wir fest: Die Autoren der Reiseführer wurden wohl vom Bürgermeister geschmiert – so schön war das jetzt hier nicht! Nach unmotiviertem
Geschländer durch die Stadt, gingen wir zu Costa auf einen Cafe Latte und diverse Leckerchen. Mein Mann schaute auf die Uhr und sah mich fragend an.
“Ist ja noch früh am Tag, was machen wir?” Unlustig legte ich ihm den Reiseführer auf den Tisch, verbunden mit der Aufforderung:“Such Du mal was aus!”
Er began seine Suche und klappte das Buch bereits nach drei Minuten wieder zu. “Trink aus, wir fahren nach Tudeley!”. Ich war ein einziges Fragezeichen? Wo zum Teufel war Tudeley? Und was gab es dort? Doch er wollte nichts verraten und steckte den Reiseführer ein. Also zurück in den Land Rover und auf nach Tudeley! Nach 20 Minuten kamen wir dort an. Minidorf, 6 Häuser, eine kleine Kirche. Uwe steuerte den Parkplatz der sehr kleinen und unspektakulären Kirche an. “Wir schauen uns die Kirche an, die soll toll sein!” erklärte er mir. Und das von einem Mann der sich sonst nur ungern von mir ins Museum, Schloss oder Kirche schleppen ließ!
Am Eingang gab es ein Schild, dass uns aufforderte die Schuhe zu reinigen. Süß so Engländer. Uwe hielt mir die Tür auf und ich betrat die kleine Kirche. Ich ertrank in einem Meer von blau. Die Kirchenfenster! Sie waren größtenteils tiefblau und tauchten die kleine Kirche in eine unglaublich unwirkliche Stimmung. Ich blinzelte erstaunt. Die Motive auf den Fenstern, der Stil der Malerei kam mir so vertraut vor…
“Ja, sie sind alle von Chagall!” klärte Uwe mich auf. Ich war begeistert. Nie hatte ich als Chagall Fan von dieser Kirche gehört. Aber warum waren ALLE Fenster dieser kleinen Kirche mitten im Nichts von Chagall gestaltet worden? Eine Marmorplatte erklärte es.
Sir Henry d’Avigdor-Goldsmid hatte die Fenster Mitte der 1960er Jahre in Auftrag gegeben. Aus traurigem Anlass, denn seine Tochter Sarah war 1963 bei einem Segelunfall, zusammen mit zwei Freunden, im Alter von 21 Jahren ums Leben gekommen. Die Fenster sind ein posthumes Geschenk an die Verstorbenen, die große Bewunderer Chagalls Kunst waren.
Das große Fenster über dem Altar stellt dar, wie die Ertrunkenen über eine Leiter zu Christus aufsteigen. Mir lief ein Schauer über den ganzen Körper. Diese farbkräftigen Malereien waren Zeugnisse einer Liebe, die den Tod überdauert.
Und mein kunstuninteressierter Mann hätte mir mit diesem Besuch kein schöneres Ostergeschenk machen können. Danke!
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Eine Antwort
Nr. 1
Ein wunderschönes Bildnis und mir lief auch ein Schauer über den Rücken!Ein wahrlich passendes Geschenk zu Ostern.
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...geschrieben am 14. April 2010 um 13:18 von Omaleo