Wenn man sich über einen Irrtum freut ….
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Wenn man sich über einen Irrtum freut …
Einjähriges. Jubiläum. Oder wie meine englischsprachigen ‚Folger“ sagen würden: „Sie begeht ihr Twitterversary.“
Rückblende. Wir schreiben das Jahr 2008. Es ist Herbst, und im anglophilen Raum hat Twitter – im noch im beschränkten Maße – begonnen, seinen Siegeszug anzutreten. Mitglieder eines Forums, dem ich seit längerer Zeit angehöre, versuchen, mich zu überreden, auch ein Twitter Account einzurichten.
Es ist September, und meine Reaktion ist folgende: “Wozu bitte, brauche ich das? Ich kenne da keinen, keiner kennt mich, ich will keinem mein Privatleben aufs Butterbrot schmieren und – à propos schmieren, auch nicht erzählen, ob ich Honig oder Erdbeermarmelade morgens auf Brot tue.“
Diplomatisch verpackt geht diese Botschaft an mein ‚Volk’.
Oktober 2008. Ich bin seit Jahrzehnten ein großer Verehrer des Briten Stephen Fry, und der hat ein Twitter Account und ist der Twitter God (sagt die Presse), was mir relativ egal wäre, wenn er nicht so interessant, witzig und human twittern würde. Ich ignoriere es weitere vier Wochen und lasse mir Einzelheiten von meinen nicht-Twitter-resistenten Forumsmitgliedern erzählen.
Im Februar bin ich ziemlich weichgekocht, und im März 2009 brauchen sie mich auch nicht mehr zu Twitter schleifen – ich komme freiwillig angekrochen. Immer noch der Überzeugung: „ Ich guck’ da mal rein. Werde wohl allein auf weiter Flur sein.“
16. März 2009. Das Account steht. Ich erwähne es nebenher im Forum. Großes Gelächter, dass ich weich geworden bin, und zwei Stunden später habe ich 40 Follower. Da ich alle kenne, folge ich selbstverständlich zurück. Meine Tweetzahl ist überschaubar, und mit großen Augen schaue ich auf die alten Hasen, die schon über 2.000 angesammelt haben. Fassungslos frage ich mich: „ Wie haben die das geschafft? Das bekomme ich im Leben nie zusammen!“
Mein Twitter-Leben kommt in Schwung und ich stelle fest, dass es diese vier Twitter—Stadien gibt:
1) totale Ablehnung
2) Annäherung
3) Begeisterung
4) Erste Anzeichen von Sucht
Ein Jahr ist vorbei und ich ziehe Bilanz:
„ Ich habe mich geirrt und lag’ so was von daneben! „
Durch Twitter habe ich unheimlich viele nette Menschen (weltweit) kennengelernt, so weit man im Internet kennen lernt. Es ist eine Bereicherung ohnegleichen, macht enorm Spaß, berührt und lässt einen über den Tellerrand gucken. Es ist schön, wenn in der Timeline die bekannten Bilder auftauchen, es ist schön, Neuigkeiten auszutauschen, Kontakte auszubauen, sich gemeinsam über etwas zu freuen oder an kritischen Tagen Hilfe zu erhalten/zu geben
Ich möchte es definitiv nicht mehr missen. Was ich als Vor- und gleichzeitig als Nachteil empfinde, ist die Schnelligkeit, mit der reagiert wird. Und die Tatsache, dass 140 Zeichen auch oft Anlass zu Missinterpretationen der Tweets geben. Wenn sich jemand wundert, dass ich verhältnismäßig viele Smileys in allen Varianten benutze, dann geschieht dies nur, um möglichst klar auszudrücken, wie ich den Inhalt meine.
So, obwohl eigentlich keiner gerne zugibt, sich geirrt zu haben, stehe ich jetzt hier und sage frohen Herzens.: „ Potz Blitz, da hast du aber sauber daneben gelegen.“
Leider haben viele heute noch falsche Vorstellungen. Meine arme Mama glaubt trotz anderslautender Schilderungen immer noch, dass ich mich bei Twitter in einer Art Swinger-Club herumtreibe. Ich weiß nicht, ob ich das witzig oder traurig finden soll, denn eigentlich kennt sie mich ja.
Das war’s, was ich euch erzählen wollte. Und ich wollte DANKE sagen, dass so viele nette Menschen mit mir in Kontakt sind.
Ich freue mich, weitere im Laufe der Zeit anzutreffen und bedaure ein wenig, dass ich das deutsche Twittervolk erst so spät entdeckt habe. Vielleicht entdeckt ja manch einer von euch mich. Ihr seid bestimmt schneller.
Liebe Grüße an euch alle
M.

4 Antworten
Nr. 1
Hm… Dein “Danke an Twitter” stimmt mich etwas nachdenklich, denn ich GESTEHE hier ganz öffentlich, dass ich Twitter auch für einen “schnellen Markt” (nicht direkt Swingerclub -hihi-)halte, aber Du schreibst Deine Gedankenwelt so ehrlich, dass ich meine Meinung noch einmal überdenken muss.
Und genau: WARUM sind so viele Menschen bei Twitter… weil es mutmaßlich toll ist und man interessante Menschen kennenlernt.
Vielleicht sollte ich mal über MICH nachdenken, dass ich ohne wirkliches Wissen über Twitter das Medium so merkwürdig finde.
Deshalb M. DANKE für Deine Beitrag!
Ich werde mich jetzt zum Nachdenken zurückziehen und wer weiß, vielleicht auf ein Wiedersehen bei Twitter ;o)
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...geschrieben am 10. März 2010 um 09:08 von Anne-Kathrin
Nr. 2
Ich habe mich am Anfang auch mit Twitter schwer getan. Was soll ich da? Was such ich dort? Wer will schon mit mir twittern? Aber ich war doch neugierig genug es mal zu probieren. Sicher, wenn man noch nicht so viele Leute kennt, dann dauert es natürlich bis man seine Folger hat. Aber inzwischen hat sich das geändert. Ich twittere sehr gern einfach mal über dieses und jenes. Wobei sehr private Dinge – die haben dort nichts zu suchen.
LG Petra
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...geschrieben am 10. März 2010 um 09:47 von Petra
Interessanter Beitrag, denn ich habe den wirklichen Zugang zu Twitter noch nicht entdecken können – für mich ganz persönlich. Deshalb bin ich dort auch so gut wie nie und zwitschere auch nicht, obwohl ich dort Mitglied bin.
Aber ich denke, es ist mit Twitter so wie mit den meisten Dingen des Lebens. Manches nutzt man und manches nicht. Ich finde es aber sehr schön und positiv, dass du so viele gute Kontakte knüpfen konntest. Mir geht das so mit den Blogs…
Lieber Gruß – Renate
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...geschrieben am 10. März 2010 um 12:36 von Renate
Ich twittere mittlerweile auch recht fleißig und freue mich über zum Teil schöne, witzige oder auch nachdenkliche Wortwechsel.
Hatte aber ähnliche Bedenken wie Du vorher. Andererseits: Man muss ja nicht zu privat werden. Auch werde ich nicht jeden Halt des Busses, in dem ich vielleicht sitze oder jeden Toilettengang veröffentlichen.
Trotzdem macht’s mir Spaß – an manchen Tagen mehr, an manchen weniger. Wieviel man von sich preisgibt, ist ja jedem selbst überlassen.;) Schlimm finde ich nur diese Followerjagd – Wer hat die meisten? Wo kriege ich neue her?
Vielleicht liest man sich mal bei Twitter.:)
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...geschrieben am 20. Mai 2010 um 11:22 von stubbsknubbel