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Wie die Mäusekatze zu ihrem ungewöhnlichen Namen kam

Geschrieben von _Phoenicia (Profil | Alle Beiträge) in Allgemein
gelesen: 1969 · heute: 3
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26/02 2010

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Die Frau @_phoenicia hat leider keine Zeit und so muss ich Katerchen eben selbst meine Geschichte aufschreiben…

Mäusekatze – nein, das ist kein Spitzname, ich heiße wirklich so. Mäusekatze, das muss man sich mal vorstellen… Lange Zeit habe ich mich geschämt, wenn meine Menschenmama vom Balkon in den Garten mit sanfter Stimme dieses „Wo bist du denn, Mäusekatze, alles in Ordnung?“ säuselte. Dieses hämische Grinsen in den Gesichtern, dieses Getuschel – es tat schon weh, wenn sie über mich spotteten, all diese Mausis, Mickys, Minkas und Zorros, zumal ich ja gar keine Katze bin, sondern ein inzwischen sehr großer, stattlicher exakt 4,8 Kilo schwerer Kater. Heute stehe ich aber zu meinem Namen, ganz nach dem Motto „Pah, was geht mich das Geschwätz der anderen an?“ Meistens schweige ich herablassend, wenn meine Artgenossen lästern. Manchmal, aber wirklich nur manchmal, erzähle ich ihnen aber die Geschichte, wie ich diesen Namen erhielt. Dazu muss ich allerdings ausholen und erst einmal berichten, wie es dazu kam, dass ich im ersten Stock eines schmucken dreistöckigen freistehenden Hauses mit Riesengarten einzog.

“Hier bleibe ich”

Es fing alles damit an, dass ich, als ich circa ein halbes Jahr alt war, an einem eisig kalten Wintertag von zuhause weglief. Man hatte mich da nicht sehr gut behandelt, bis heute habe ich Angst vor Männern. Warum ich schließlich frierend, jämmerlich miauend und völlig ausgehungert ausgerechnet in diesem Garten im tiefen Schnee saß, weiß ich heute nicht mehr so genau. Vielleicht, weil ich vor Erschöpfung einfach nicht mehr weiterkonnte, eher aber, weil im Erdgeschoss schon eine Katze wohnte, die ganz zufrieden aussah, wie sie so im warmen Zimmer auf dem Fensterbrett sitzend hinausschaute in die weite Welt. Egal – ich jammerte jedenfalls solange, bis sich die Terrassentür öffnete und eine reizende junge Frau mich ins Haus lockte. Dort gab es zunächst eine Riesenportion Futter und ein vollgefülltes Schälchen mit Milch, danach ziemliche viele Streicheleinheiten und schließlich eine warme Wolldecke neben der Heizung, auf die ich mich kuschelte. „Hier bleibe ich“, dachte ich und schlief ein.

Verwöhnt nach Strich und Faden

Unter der Woche war es tatsächlich sehr schön in meinem neuen Heim. Mimi, die andere Katze, spielte mit mir, die ich inzwischen Tigerchen gerufen wurde. Heike verwöhnte mich nach Strich und Faden mit feinstem Futter und netten Worten und ihre Tochter Marie strahlte jedes Mal in ihrem Kinderbettchen, wenn sie mich sah. Aber, wie so oft, gibt es dort, wo viel Licht ist, auch Schatten. Der hieß in meinem Fall Manfred und ist der Mann von Heike. Er arbeitete und wohnte unter der Woche in einer anderen Stadt und jedes Mal, wenn er am Freitagnachmittag übers Wochenende nachhause kam, verkroch ich mich im Schlafzimmer. Nicht, dass wir uns missverstehen: Er war sehr nett zu mir, aber wie gesagt, ich habe ziemlich Angst vor Menschenmännern.

Liebe auf den ersten Blick

Der Frühling zog schließlich ein, draußen zwitscherten die Vögelchen und die Mäuslein quietschten und ich wollte mich endlich auf die Jagd nach diesen kleinen feinen Leckerbissen machen. Nur dazu musste ich immer durchs Wohnzimmer, wo Manfred oft auf dem Sofa saß. Dieses ängstliche an-ihm-vorbeischleichen machte mich irgendwann ganz wahnsinnig … Aber halt: Da war ja noch die Frau, die immer so nett vom Balkon herab mit mir redete. Am liebsten mochte ich es, wenn sie mit besagter sanfter Stimme „Was bist du denn für ein Süßer?“ sagte. Ich beschloss, mir die mal genauer anzuschauen, kletterte flink den Baum der Balkonbrüstung hinauf, sprang, dort angekommen, auf den Boden und wagte mich ins Wohnzimmer und was soll ich sagen: Es war Liebe auf den ersten Blick.

So eine Eroberung dauert…

Ich entschied mich spontan, sie zu adoptieren und dort ganz einzuziehen. Anfangs zickte sie noch ein bisschen rum und trug mich immer wieder nach unten – sie war damals oft auf Reportagereisen in der ganzen Welt unterwegs und meinte, sie könne doch da keine Verantwortung für ein so nettes hilfsbedürftiges Wesen wie mich übernehmen. Aber da hatte sie die Rechnung ohne meine Ausdauer gemacht. Immer wieder kletterte ich den Baum hoch, immer wieder stand ich in der Wohnung. Endgültig erobert hatte ich sie, als ich begann, mit ihr zusammen zu arbeiten. Das heißt, sie tippselte irgendwelche Texte und ich lag gemütlich auf ihrem Schoß und schlief eine Runde.

Irgendwann war also alles gebongt, die Sache mit dem Heruntertragen hatte sich erledigt. Da muss endlich mal ein richtiges Geschenk her, dachte ich voller Dankbarkeit und was bot sich da besser an, als eine große, dicke, fette putzmuntere Wühlmaus? War zwar ganz schön anstrengend, sie im Maul in den ersten Stock auf den Balkon zu tragen und sie durchs Wohnzimmer in die Wohnküche zu schleppen, aber meine Adoptivmama war es mir wert. Der Haken an der Sache nur: Sie, die gemeinsam mit einer Freundin und der Reinemachefrau am Esstisch bei einer Tasse Kaffee saß, sprang hektisch auf, wurde das erste Mal mir gegenüber laut und kreischte fast hysterisch „Du Mäusekatze, hau sofort mit diesem Viech wieder in den Garten ab…“ Da war es also das erste Mal gefallen, das Wort “Mäusekatze“.

Hysterische Weiber …

In diesem Moment jedoch ging das mit dem Namen noch völlig unter angesichts der kommenden Geschehnisse. Die zwei anderen Frauen waren nämlich genauso wenig begeistert über eine lebende Maus, die sich schon längst hinter dem großen Küchenbuffet verkrochen hatte und sich einfach nicht hervorlocken lies. Erst versuchten es die drei mit einem Besenstil, dann fingen sie an, hektisch Teller, Schüsseln, Tassen, Töpfe, Gläser und Besteck auszuräumen und alles auf dem Tisch zu stapeln, um dann das Buffet von der Wand zu rücken. Gelang ihnen auch mit vereinten Kräften – und noch besser: Sie fanden die ängstliche Maus in der Zimmerecke kauernd, stülpten sofort einen Eimer über sie, drehten ihn um und verschlossen ihn mit einer Zeitungsseite. Dann stürzen sie mitsamt ihrer Beute auf den Balkon, schmissen alles in den Garten hinunter und meine Mama rief ziemlich laut: „Aus die Maus.“

Ich höre diese Worte noch heute,genauso wie das erleichterte Aufseufzen der Damen. Und ich höre noch etwas, nämlich vielstimmiges schallendes Gelächter, klatschende Hände und Bravorufe. Dazu muss man wissen, dass das Haus direkt an einem S-Bahnhof steht, von dem aus die auf einen Zug wartenden Menschen von Oktober bis März, wenn die Hecke kahl ist, in den Garten und auf die Häuserfront schauen können. Ganz offensichtlich gefiel ihnen das Mäusefangschauspiel…

„Mäusekatze, Mäusekatze…“

Schnell flüchteten die ganz rot im Gesicht gewordenen drei Ertappten wieder hinein in die Wohnung,rückten das Küchenbuffet an seinen ursprünglichen Platz und räumten wieder ein. Ich schlich derweil versöhnungsheischend um die Füße meiner Mama rum, die immer wieder nur murmelte: „Mäusekatze, Mäusekatze, was stellst du nur für Sachen an…“

Und seit diesem Tag heiße ich eben so. Meinem neuen Namen übrigens versuchte ich gleich alle Ehre zu machen und schleppte immer wieder Mäuse an. Irgendwie musste ich ja @_phoenicia , wie sie mit richtigem Namen heißt, an die liebevoll gemeinten Geschenke gewöhnen. Und in der Tat: bald keine Hysterie mehr, höchstens ein leichtes Kopfschütteln und ein sanftes „Mäusekatze, Mäusekatze – nicht schon wieder…“

Dass sie übrigens irgendwann auf die Idee kam, extra wegen mir beziehungsweise wegen der Mäuse von München aus in die weit entfernte Eifel zu fahren, um eine Mäusefallenmuseum zu besuchen, rechne ich ihr bis heute hoch an. Sie kam nämlich nicht nur mit einer Radioreportage zurück, für die es genügend Geld für besonders leckeres Mäusekatzenfutter gab, sondern auch mit einer großen Lebendfalle, in die sie künftig Schokolade und Käse legte, um die damit angelockten armen Tierchen in den Garten zu tragen und ihnen ihre Freiheit wiederzugeben.

8 Antworten

Nr. 1

Eine wirklich schöne Geschichte aus Sicht der Katze. Wäre ich eine Maus, würde ich anders urteilen! ;)

Mir gefällt sie richtig gut!

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...geschrieben am 26. Februar 2010 um 14:26 von BSEplus

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Was für eine schöne Geschichte, zumal die Maus gerettet wurde. Ich frage mich manchmal auch, was unsere verkappten Tiger alles so aüßern würden, wenn sie könnten. Vielleicht besser so, wie es ist ;-)

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...geschrieben am 26. Februar 2010 um 15:33 von goodnewser

Nr. 3

Das ist ja wirklich eine schöne Geschichte :)

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...geschrieben am 26. Februar 2010 um 18:42 von Gilly

Nr. 4

Wunderschön. Ich mußte zwischendurch immer schmunzeln weil ich meine Kinder Mäusekinder rufe. Allerdings haben die mir noch nie Mäuse mitgebracht. ;-)

LG Petra

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...geschrieben am 26. Februar 2010 um 19:41 von Petra

Nr. 5

Was für eine goldige Geschichte. Man kann sich so gut in alle Beteiligten hereinversetzen. Die stolze Mäusekatze, die anfangs leicht hysterische Katzenmama und die Maus die es gerade noch mal geschafft hat.

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...geschrieben am 27. Februar 2010 um 12:22 von ApfelMuse

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Ich gestehe, dass ich meine Katzen, die alle einen Namen haben, hin und wieder auch “Mäuschen” nenne.

Ansonsten: eine wunderbare und sehr amüsante Geschichte!

Viele Grüße – Renate

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...geschrieben am 15. März 2010 um 10:06 von Renate

Nr. 7

Hallo liebe Mäusekatze!!
So ein feines leben kann man all deinen brüdern und schwestern nur wünschen *schnief*
Sehr schön erzählt
Liebe Grüße von GrafvonMonte

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...geschrieben am 8. Juni 2010 um 12:43 von GrafvonMonte

Nr. 8

Süss. Und schön. Hat mir sehr gut gefallen.

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...geschrieben am 13. Juli 2010 um 13:32 von Zweizahn

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